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Die Wissenschaft der Träume

Von Zach Pearl, PhD
Circadin.com-Mitarbeiter

 

Die meisten Menschen – auch wenn sie sich nicht daran erinnern – träumen zwischen dreimal und sechsmal pro Nacht, wobei jeder Traum zwischen fünf und zwanzig Minuten dauert. Träumen – eine Fähigkeit, die auch Teil der Biologie zahlreicher Tiere ist – ist bisher zwar gründlich studiert, jedoch nicht vollständig verstanden worden. Die wissenschaftliche Erforschung von Träumen wird als Oneirologie bezeichnet.

Im Grunde sind Träume Geschichten und Bilder, die im Schlaf von unserer Psyche erschaffen werden. Im Schlaf können Träume jederzeit auftreten, doch die lebendigsten Träume erfolgen während dem REM-Schlaf (REM = Rapid Eye Movement, dt. schnelle Augenbewegungen). Während der REM-Periode wird die Atmung schneller, unregelmäßiger und flacher, die Augen zucken schnell in verschiedene Richtungen, und die Muskulatur der Gliedmaße wird vorübergehend gelähmt. Die Herzfrequenz steigt und infolgedessen auch der Blutdruck. Wenn Menschen während dem REM-Schlaf aufwachen, sprechen sie häufig von bizarren und widersinnigen Träumen.

Warum träumen wir?

Trotz zahlreicher unterschiedlicher Studien über Schlaf und unser Träumen gibt es noch immer keine eindeutige Antwort auf die Frage, warum wir träumen. Allerdings ist klar, dass im Schlaf ein enormes Maß neurologischer Aktivität stattfindet, vor allem dann, wenn wir im REM-Schlaf träumen.

Zur Frage, warum wir träumen, gibt es mehrere Hypothesen und Konzepte. Manche behaupten, dass Träume eine Art Offline-Wiederaufarbeitung von Erinnerungen sind; Gelerntes würde demnach gefestigt, um uns bei langfristigen Gedächtnis-Aufgaben zu unterstützen1. Man weiß, dass REM-Schlaf jene Hirnregionen stimuliert, die beim Lernen eingesetzt werden, und dies könnte für eine normale Gehirnentwicklung während der Kindheit entscheidend sein. Dies würde möglicherweise erklären, warum Kinder viel länger in REM-Phasen schlafen als Erwachsene2.
Andere Hypothesen gehen davon aus, dass Träume an der Entwicklung kognitiver Fähigkeiten beteiligt sind3. Außerdem gibt es eine psychoanalytische Erklärung, nach der Träume besonders aussagekräftige Spiegelbilder unbewusster geistiger Funktion sind4. Sie können dem Gehirn außerdem helfen, Erinnerungen aufzunehmen, Probleme zu lösen und mit Emotionen umzugehen.

Was passiert mit unseren Träumen, wenn wir älter werden?

Wenn wir älter werden, ändert sich vieles an unseren Schlaf-Parametern (z. B. an der Schlaf-Architektur und dem zeitlichen Ablauf des Schlafs). Außerdem lässt unsere Fähigkeit, uns an Träume zu erinnern, mit dem Älterwerden zunehmend nach, während die Träume selbst weniger intensiv erlebt werden. Dies könnte auf die Änderungen der Schlaf-Physiologie zurückzuführen sein, insbesondere auf die Abnahme des REM-Schlafs. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass Patienten, die an degenerativer Demenz (z. B. der Alzheimer-Krankheit) leiden, im Vergleich zu gesunden, alten Menschen weniger träumen.

Träumen Männer und Frauen unterschiedlich?

Die Inhalte der Träume variieren unter den Geschlechtern. Frauen träumen länger als Männer; ihre Träume weisen außerdem mehr Charaktere auf. Die Träume spielen sich öfter in Gebäuden ab, und es kommen häufiger Familienmitglieder wie Babys und Kinder darin vor5. Die Träume von Männern handeln häufiger von körperlicher Aggression als die von Frauen6. Mit dem Alter neigen Männer dazu, ihre Träume zu vergessen, sie sprechen im Vergleich zu Frauen auch weniger davon.

Woher kommen Albträume?

Albträume werden üblicherweise als verstörende Träume definiert, die von nächtlichem Erwachen mit sehr lebendigen und detaillierten Erinnerungen an den Traum geprägt sind. Die Inhalte eines Albtraums sind normalerweise mit einer wahrgenommenen Gefahr für das eigene Leben, die eigene Sicherheit oder das eigene Selbstwertgefühl verbunden8. Bei Kindern sind Albträume weiter verbreitet als bei Erwachsenen (10 – 50 % gegenüber 2 – 8 %). Da die Phasen des REM-Schlafs im Laufe der Nacht zunehmend länger werden, treten Albträume am häufigsten in den frühen Morgenstunden auf; im Vergleich zu anderen erinnern sich Schlafende, die zu dieser Zeit aufwachen, mit höherer Wahrscheinlichkeit an den Inhalt ihres Traums. Personen, die häufig von Albträumen betroffen sind, berichten oftmals von stark beeinträchtigter Schlafqualität7. Darüber hinaus haben Forschungsarbeiten gezeigt, dass sich Albträume auf die Leistungsfähigkeit am Tag und das allgemeine Wohlbefinden auswirken, dies bei stärkerer Unruhe vor dem Schlaf und nach Albträumen, während ein Zusammenhang mit negativer Stimmung und größerer Belastung vor und nach dem Schlafen besteht8.

Albträume können mehrere Ursachen haben. Zum Beispiel können ungelöste Konflikte, die wir während des Tages häufig ignorieren, im Schlaf durch unsere Träume thematisiert werden. Auch Schlafprobleme wie Schlafentzug, Schlafapnoe oder nächtliche Bewegungsstörungen können Albträume auslösen. Medikamente wie Antidepressiva und Narkotika und die Zeit der Entwöhnung von Medikamenten und Substanzen wie z. B. Alkohol und Beruhigungsmitteln kann ebenfalls Albträume auslösen. Darüber hinaus gibt es psychologische Auslöser, die Albträume auslösen können, so zum Beispiel Unruhe, Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen9.

Genau wie z. B. Ernährungs- oder Bewegungsgewohnheiten sind Schlaf und Träume von Person zu Person individuell und für optimale Gesundheit besonders wichtig. Um positive und angenehme Träume zu haben, benötigen wir einen guten, entspannten und hochwertigen Schlaf.

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    • Dr. Zach Pearl

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